Biochemiker/Biotechnologe

Zumindest bei WACKER dreht sich für die Biologen, Biochemiker und Biotechnologen alles um Bakterien. Diese „Haustierchen“ werden so umprogrammiert, dass sie Pharmawirkstoffe in hoher Konzentration produzieren. Wir stellen zwei Teams vor, die zwischen Schreibtisch und Reinraum Bakterienkulturen optimieren.

Biologin betrachtet Agarplatte

Eine Biologin prüft das Wachstum einer Bakterienkolonie auf einer Agarplatte.

Forschung oder Projektmanagement? – Manchmal stellt sich diese Frage für Biochemiker und Biotechnologen bereits am Anfang der Berufslaufbahn. Oft durchläuft man auch beide Funktionen. Fest steht: Ohne kluge Projektplanung keine Forschung. Ohne Forschung keine Produkte.

Projektmanagement WACKER BIOSOLUTIONS

Das Team Projektmanagement: Ilona Koebsch (links) und Julia Schümann (rechts)

Zur Person

Dr. Julia Schümann ist Biochemikerin. Sie hat über “Identification and Manipulation of Fungal PKS-NRPS Hybrid Pathways” promoviert.

Die Aufgabe

Es ist schon keine einfache Sache, ein neues Medikament zu entwickeln. Noch komplizierter aber wird es, wenn es darum geht, die Wirkstoffe für ein solches Medikament in großen Mengen, in hervorragender Qualität und zu einem akzeptablen Preis herzustellen. Genau dafür ist die Wacker Biotech GmbH in Jena zuständig. „Wir sind ein Auftragshersteller für biopharmazeutische Produkte“, sagt Project Manager Dr. Julia Schümann.

Auftragshersteller bedeutet: Der Kunde, zumeist ein Pharmaunternehmen, wendet sich an WACKER mit dem Auftrag, ein bestimmtes Protein herzustellen, das als Wirkstoff für ein neues Medikament vorgesehen ist. „Wir testen dann, ob unsere spezielle Technologie dafür anwendbar ist“, erklärt Julia Schümann. „Wenn das der Fall ist, entwickeln wir einen Herstellungsprozess, bei dem am Ende das Protein als Lösung vorliegt.“ Entscheidende Helfer dabei sind E. coli-Bakterien, die WACKER für seine patentierten Technologien namens ESETEC® und FOLDTEC® einsetzt.

Julia Schümann und die anderen Project Manager haben zwar alle einen Doktortitel, aber selbst entwickeln sie keine maßgeschneiderten Pharmaproteine. „Wir sind vielmehr die Schnittstelle zwischen den Kunden und den Kollegen im Labor und in der Produktionsanlage“, so Julia Schümann. „Über uns läuft die Kommunikation, wir sorgen dafür, dass Termine eingehalten, Entscheidungen getroffen, Probleme gelöst und die Wünsche des Kunden umgesetzt werden. Manchmal treiben wir die Leute an.“ Und schmunzelnd fügt die 36-Jährige hinzu: „Wir werden deshalb von den Kollegen auch liebevoll Wadlbeißer genannt.“ (Wadenbeißer: bayerische Umgangssprache für jemanden, der andere antreibt).

Das Spannende an der Arbeit des Projektmanagementteams, sagt Julia Schümann, seien die vielen Kontakte: „Wir bekommen Einblick in alle Bereiche, die an der Herstellung eines solchen Medikamentenwirkstoffs beteiligt sind. Außerdem arbeiten wir mit Kunden auf der ganzen Welt zusammen. Dabei lernen wir verschiedenste Mentalitäten und Unternehmenskulturen kennen.“

Zu den bislang schönsten Erfolgen zählt die Herstellung des Wirkstoffs für Spectrila®, ein Medikament zur Behandlung von akuter lymphatischer Leukämie (ALL).. ALL ist die häufigste Form von Blutkrebs bei Kindern. Julia Schümann: „Wir haben gesamten Herstellprozess des Wirkstoffs von der ersten Zelllinie bis zur kommerziellen Produktion entwickelt. Nun liefern wir einen Beitrag zur Heilung von schwerkranken Kindern. Das ist ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn die lange Entwicklungsarbeit sich gelohnt hat.“

Und ansonsten?

Biopharmazeutika sind die Medikamente der Zukunft. Mit Spectrila® ist nun bereits das zweite Produkt von Wacker Biotech in Europa zugelassen. Am Standort Halle/Saale wird bereits seit 2012 der Wirkstoff Reteplase für das Therapeutikum Rapilysin® gegen akuten Herzinfarkt kommerziell hergestellt. Wacker Biotech hatte im Jahr 2010 seine GMP-Produktionsanlage in Jena mit einer Gesamtinvestition von 18 Mio. Euro modernisiert und für die modernen Anforderung der europäischen (EMA) und amerikanischen Arzneimittelbehörden (FDA) aufgerüstet.

Team im Biotechnikum (WACKER Consortium)

Das Team Molekularbiologie mit Markus Brunner (links hinten) und Dr. Marcel Thön (rechts hinten)

Zur Person

Markus Brunner hat Biotechnologie studiert. Er ist Dipl.-Ing. (FH) Biotechnologie und hat seine Abschlussarbeit zum Thema „Ein Implantat aus Polyurethan gegen Refluxösophagitis – materialwissenschaftliche und zellbiologische Analyse des Biomaterials“ geschrieben.

Dr. Marcel Thön ist ebenfalls Biotechnologe. Thema seiner Promotion war: „Redoxregulierung des CCAAT-bindenden Komplexes (AnCF) von Aspergillus nidulans“.

Die Aufgabe

Mit einem sanften, gleichmäßigen Schwung dreht sich die hellbraune Flüssigkeit langsam im Kreis. Sonden überwachen unter anderem Temperatur und Sauerstoffgehalt. Ein Rührstab hält das Gemisch in Bewegung. Was die Mikroorganismen in einem Zeitraum von zwei bis drei Tagen produzieren, könnte die Grundlage für ein Medikament gegen Krebs oder Multiple Sklerose sein.

Seine beiden Mitarbeiter und er müssen die Bakterien im flüssigen Nährmedium dazu bringen, möglichst viel von den gewünschten Proteinen zu produzieren. Der junge Biotechnologe aus der Hallertau untersucht zum Beispiel, bei welcher Temperatur die Mikroorganismen kultiviert werden müssen, damit ein gutes Bakterienwachstum und hohe Proteinausbeuten erreicht werden.

Die Bakterien, die bei Brunner im Fermenter schwimmen, kommen aus dem Labor von Dr. Marcel Thön. Seine Aufgabe ist es, diese winzigen Mikroorganismen umzuprogrammieren. „Ein wahnsinnig spannender Job“, erzählt der junge Forscher aus Thüringen begeistert. „Ich bringe die Bakterien dazu, dass sie etwas machen, was sie vorher nicht gemacht haben.“ Seit 2011 leitet der 37-Jährige eine Arbeitsgruppe am Consortium. Er hofft, dass in 100 Jahren kein Mensch mehr an Krebs sterben muss. Vielleicht können seine Bakterien einen Beitrag dazu leisten.

Weil nur wenige dieser „Haustierchen“ wirklich vielversprechend sind, setzt Thön in seinem Labor auf Masse. Tausende von Proteinproben untersucht der Forscher mit seinen fünf Laborantinnen. Den Löwenanteil der Arbeit erledigt allerdings ein Kollege, der nicht auf der Gehaltsliste steht. „Robbi“, so haben ihn Thöns Mitarbeiter getauft, ist ein so genanntes High-Throughput-System. Ein Roboter, der Tausende von Proteinproben in Reaktionsgefäße füllt, analysiert und die Ergebnisse erfasst.

Trotz Roboter bestimmen aber die Mikroorganismen den Arbeitsalltag der Biotechnologen. Markus Brunner und seine beiden Mitarbeiter müssen ihren Rhythmus ganz nach deren Wachstum richten. Weicht zum Beispiel deren Wachstumsgeschwindigkeit nur geringfügig vom Plan ab, muss die Mittagspause schon mal warten.

Und ansonsten?

Trotz Roboter bestimmen aber die Mikroorganismen den Arbeitsalltag der Biotechnologen. Markus Brunner und seine beiden Mitarbeiter müssen ihren Rhythmus ganz nach deren Wachstum richten. Weicht zum Beispiel deren Wachstumsgeschwindigkeit nur geringfügig vom Plan ab, muss die Mittagspause schon mal warten.